Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung)
WAS MACHT DIE KNIESCHEIBE SO WICHTIG?
Die Kniescheibe (lateinisch: Patella) ist ein dreieckiger, flacher Knochen an der Vorderseite des Kniegelenks. Sie ist ein sogenanntes Sesambein, das in die Sehne des vierköpfigen Oberschenkelmuskels (Quadrizeps) eingebettet ist.
Durch diese Position übernimmt die Patella eine zentrale Rolle in der Kraftübertragung zwischen Oberschenkelmuskulatur und Unterschenkel – insbesondere beim Strecken des Beins.
IHRE WICHTIGSTEN FUNKTIONEN:
- Verbesserung der Hebelwirkung des Oberschenkelmuskels → mehr Kraft bei weniger Belastung
- Führung und Stabilisierung der Quadrizepssehne beim Streckvorgang
- Schutzfunktion für das empfindliche Kniegelenk bei Druck, Bewegung und Stoßbelastung
- Reibungsarme Bewegung durch eine dicke Knorpelschicht auf der Rückseite der Patella, die in einer Rinne des Oberschenkelknochens (Femur) gleitet
Patellaluxation: Ursachen und Folgen
WAS IST EINE PATELLALUXATION?
Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe (Patella) aus ihrer natürlichen Führung – meist nach außen. In der Regel passiert das plötzlich und schmerzhaft, oft im Rahmen eines Sportunfalls oder durch direkte Gewalteinwirkung auf das Knie, z. B. ein Tritt oder Aufprall. Man spricht in diesem Fall von einer traumatischen Patellaluxation.
FORMEN DER PATELLALUXATION
- Traumatische Luxation:
Häufig bei Unfällen oder beim Sport. Die Kniescheibe springt akut heraus und kehrt meist nicht selbstständig zurück. Es besteht die Gefahr von Knorpelschäden und Weichteilverletzungen. - Habituelle (wiederkehrende) Luxation:
Tritt bei manchen Menschen wiederholt auf, meist durch angeborene Fehlstellungen, Bandinstabilitäten oder einen zu flachen Gleitkanal (Trochlea) im Oberschenkelknochen.
MÖGLICHE FOLGEN
Beide Formen können zu Schäden am Gelenkknorpel, wiederkehrenden Luxationen sowie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung durch einen Kniespezialisten ist daher entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden und die Stabilität des Knies wiederherzustellen.
Risikofaktoren für eine Patellaluxation
ANGEBORENE URSACHEN
Eine Patellaluxation kann nicht nur durch Unfälle oder Sportverletzungen verursacht werden – in vielen Fällen liegen angeborene anatomische Besonderheiten vor, die die Stabilität der Kniescheibe beeinträchtigen. Diese begünstigen das Herausspringen der Patella bereits bei geringerer Belastung.
HÄUFIGE ANGEBORENE RISIKOFAKTOREN
- Hochstehende Kniescheibe (Patella alta):
Die Patella sitzt zu hoch im Gelenk, wodurch sie erst spät in die knöcherne Führung (Trochlea) eintritt – das erhöht das Risiko für ein Verrutschen. - X-Bein-Fehlstellung (Valgusknie):
Eine Achsfehlstellung nach innen erhöht den seitlichen Zug auf die Kniescheibe – besonders bei Bewegungen mit gebeugtem Knie. - Fehlbildung des Gleitlagers (Trochleadysplasie):
Ist die Gleitrinne im Oberschenkelknochen zu flach oder asymmetrisch, kann die Patella leichter nach außen luxieren. - Rotationsfehlstellungen des Oberschenkels:
Eine nach innen verdrehte Oberschenkelachse (Femur-Antetorsion) beeinflusst den Bewegungsablauf negativ und fördert die Instabilität. - Fehlbildung der Kniescheibe (Patelladysplasie):
Eine nicht korrekt geformte Patella passt oft nicht optimal in das Gleitlager und verrutscht leichter bei Belastung.
FRÜHZEITIGE ERKENNUNG IST ENTSCHEIDEND
Wer unter wiederkehrenden Patellaluxationen leidet oder bereits in jungen Jahren eine Kniescheibeninstabilität erlebt hat, sollte sich bei einem erfahrenen Kniespezialisten untersuchen lassen. Je nach Befund können gezielte Übungen, Bandagen oder auch operative Verfahren helfen, das Knie langfristig zu stabilisieren.
Symptome und Verlauf
WIE ÄUSSERT SICH EINE VERRUTSCHTE KNIESCHEIBE?
Eine Patellaluxation – also das Herausspringen der Kniescheibe – tritt in zwei Formen auf: traumatisch (plötzlich durch äußere Einwirkung) oder habituell (wiederholt durch angeborene Instabilität). Die Symptome und der Verlauf unterscheiden sich dabei deutlich.
TRAUMATISCHE PATELLALUXATION
- Die Kniescheibe springt plötzlich nach außen – meist infolge eines Sturzes oder direkten Aufpralls
- In vielen Fällen verbleibt sie außerhalb ihrer normalen Position
- Begleitet von akuten, starken Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung
- In einigen Fällen kann die Patella spontan zurückgleiten
- Häufig treten Knorpelverletzungen und Einrisse im Bandapparat auf
HABITUELLE (WIEDERKEHRENDE) PATELLALUXATION
- Die Kniescheibe verrutscht wiederholt, meist bei alltäglichen Bewegungen oder sportlicher Belastung
- Oft verursacht durch angeborene Fehlstellungen, z. B. Patella alta, Trochleadysplasie oder Bandinstabilitäten
- Schmerzen und Unsicherheit im Knie treten immer wieder auf – oft ohne deutliches Trauma
- Auf Dauer kann es zu Knorpelschäden, Reizzuständen und chronischer Instabilität kommen
Behandlung der Patellaluxation
Konservative Therapie bei Patellaluxation
In bestimmten Fällen kann eine Patellaluxation ohne Operation behandelt werden. Dies gilt insbesondere bei einer erstmaligen traumatischen Luxation, wenn keine Begleitverletzungen (z. B. Knorpelriss, Bandabriss) vorliegen und die Kniescheibe von allein oder durch manuelle Hilfe in ihre Position zurückkehrt.
Ziel der konservativen Therapie
Die Stabilität der Kniescheibe wiederherstellen und die umliegenden Strukturen (z. B. Kapsel, MPFL-Band) zur Heilung kommen lassen, ohne operativen Eingriff.
Bestandteile der konservativen Behandlung
- Schienenruhigstellung (z. B. mit Patella-Orthese oder Knieschiene) für ca. 3–6 Wochen
- Entzündungshemmung durch Medikamente und Kühlung
- Gezielte Physiotherapie, um Muskulatur zu stärken (v. a. Vastus medialis)
- Langfristige Stabilisation durch individuelles Trainingsprogramm
Wann ist konservative Therapie sinnvoll?
- Erstluxation ohne nachweisbare Begleitverletzungen
- Geringe anatomische Risikofaktoren
- Stabile Kniescheibe nach Reposition
- Patient:innen mit niedriger sportlicher Belastung
Wann ist eine Operation notwendig?
Eine operative Therapie kann notwendig werden, wenn es bei Ihnen zu wiederholten Patellaluxationen kommt oder angeborene Risikofaktoren (z. B. Fehlstellungen, Trochleadysplasie) vorliegen, die eine dauerhafte Instabilität begünstigen.
Ziel der Operation ist es, die Kniescheibe dauerhaft zu stabilisieren, die Gleitführung zu verbessern und weitere Knorpelschäden zu verhindern.
Mögliche Operationsverfahren
Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL)
Das MPFL ist das wichtigste Band zur Stabilisierung der Patella. Bei einer Rekonstruktion wird es mit körpereigenem Sehnenmaterial ersetzt oder verstärkt, um das seitliche Ausweichen der Kniescheibe zu verhindern.
Tuberositasversetzung (Tibial Tuberosity Transfer)
Die Ansatzstelle der Kniescheibensehne wird am Schienbein versetzt, um den Zugwinkel der Patella zu korrigieren. Dies verbessert die Gleitführung und reduziert die Luxationsgefahr.
Trochleaplastik
Bei einer stark abgeflachten oder fehlgeformten Gleitbahn im Oberschenkelknochen (Trochleadysplasie) wird diese chirurgisch vertieft und neu geformt, um der Patella wieder sicheren Halt zu geben.
Umstellungsosteotomie
Bei ausgeprägten Fehlstellungen der Beinachse (z. B. Valgusknie) kann durch gezielte Korrektur der Knochenachse die Kraftverteilung im Knie optimiert und die Patella entlastet werden.
Individuell abgestimmte OP-Strategie
Welche Methode in Ihrem Fall die richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab – etwa vom Alter, der Körperachse, dem Knorpelzustand und Ihrer sportlichen Aktivität. Als erfahrener Kniespezialist für Patellastabilisation wähle ich gemeinsam mit Ihnen das bestmögliche Verfahren.